Ansonsten war das Konzept beider Sendungen gleich: eine fünfminütige Sendung, in der das Sandmännchen Kindern, die ins Bett müssen, kurze Bildergeschichten präsentiert und so den Tag friedlich ausklingen lässt.
Neue Freunde für das SandmännchenWobei sich das Ost-Sandmännchen bisweilen nach den sozialistischen Landmarken der DDR ausrichtete, zu Gast im Palast der Republik war, NVA-Soldaten besuchte oder Junge Pioniere in ihrem Sommerlager. Gern reiste es auch ins sozialistische Ausland nach Kuba oder Vietnam, tauchte mit dem Tragflächenboot in Budapest auf, fuhr Schlitten in Krakau oder war als Kosmonaut in einer sowjetischen Rakete zu sehen.
Einmal kam das DDR-Sandmännchen mit einer Art Heißluftballon eingeflogen, kurz nachdem einer ostdeutschen Familie die Republikflucht mit einem selbstgebastelten Ballon über den Eisernen Vorhang in den Westen gelungen war. Die DDR-Oberen fanden das überhaupt nicht lustig, die verantwortlichen Redakteure wurden entsprechend gerüffelt.
Doch wie auch immer: Das Ost-Sandmännchen kam offenbar bei den DDR-Kindern besser an, als sein SFB-Konkurrent beim westlichen Publikum. Bereits 1966 versuchte die ARD-Anstalt WDR, den Ost-Sandmann zu kaufen, was das DDR-Fernsehen trotz der verlockenden Devisen ablehnte. Daraufhin entwickelten die Kölner einen "Sandmännchen International", eine Art tanzender Samson. Ihm folgten Anfang der 80er-Jahre neue Sandmännchen, bis schließlich die Sendung am 31. März 1989 ganz eingestellt wurde.
Das Ost-Sandmännchen hat überlebt, mehr noch: Es wurde zur heiligen Kuh. Als nach der Wende Gerüchte laut wurden, die Sendung solle abgesetzt werden, kam es zu massiven Zuschauerprotesten, der damalige Rundfunkbeauftragte der neuen Länder, Rudolf Mühlfenzl (1919-2000), musste klein beigeben.
Heute läuft "Unser Sandmännchen" in der Regel täglich von 17:55 bis 18:00 Uhr im RBB, zuweilen auch schon ab 17:50 Uhr. Im MDR und bei Kika wird es zu anderen Uhrzeiten ausgestrahlt. Es hat sogar eine Vereinigung von Ost und West stattgefunden. Zu den Begleitfiguren wie Pittiplatsch und Schnatterinchen oder Herr Fuchs und Frau Elster sind die westdeutschen Sandmännchen-Freunde Piggeldy und Frederick dazugekommen.
Täglich sitzen verlässlich über eine Million Kinder vor dem Fernseher, wenn es wie seit Jahrzehnten heißt: "Sandmann, lieber Sandmann, es ist noch nicht soweit. Wir sehen erst den Abendgruß, ehe jedes Kind ins Bettchen muss, du hast gewiss noch Zeit!"