Die Weizsäckers: Glanz und Schatten einer großen Dynastie

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Die Weizsäckers: Glanz und Schatten einer großen Dynastie

Stars (1 / 1) 28.12.2020 17:49 / Peter Symbolbild [M] imago images/Tinkeres/Future Image


Die Familie im Überblick

Der tragische Tod von Fritz von Weizsäcker (1960-2019) am gestrigen Dienstag rückt den Namen Weizsäcker in den Mittelpunkt - zumal sich der mutmaßliche Täter angeblich an der Familie rächen wollte.

Die Weizsäckers haben seit Jahrhunderten große, aber auch umstrittene Persönlichkeiten hervorgebracht. Das Mordopfer war ein bedeutender Medizin-Professor, sein Bruder Robert K. (64) ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Technischen Universität München und Ehrenpräsident des deutschen Schachbundes. Der 2008 verstorbene Bruder Andreas war ein international bekannter Bildhauer.

Der Vater Richard (1920-2015) war Bundespräsident, der Onkel Carl Friedrich (1912-2007) als Physiker und Philosoph ein Kandidat für den Nobelpreis. Cousin Ernst Ulrich (80) ist Biologe und ein bekannter Umweltwissenschaftler.

Woher kommen die Weizsäckers?

Die Familie entstammt einem pfälzisch-württembergischen Geschlecht von Müllern, die sich zielstrebig nach oben gearbeitet haben. Die Öhringer Linie wurde gegründet von Gottlieb Jakob Weizsäcker (1736-1798), einem Müllersohn, der später Hofmundkoch der Fürsten von Hohenlohe-Öhringen wurde. Von ihm soll der Satz stammen: "Je höher die Herrschaft, desto bessere Chancen, es trotz Dienstbarkeit zu einer angesehenen Stellung in der Welt zu bringen." Sein Sohn Carl Friedrich Gottlob Weizsäcker wurde bereits Stadtschultheiß in Öhringen.

Gottliebs Enkel Carl Heinrich und Julius legten eine steile Karriere hin. Carl Heinrich Weizsäcker (1822-1899) wurde Hofkaplan beim württembergischen König Wilhelm I. und ab 1861 Professor und Lehrstuhlinhaber für Kirchen- und Dogmatikgeschichte an der Universität Tübingen. Als Kanzler der Uni Tübingen gehörte er von 1890 bis 1899 der Zweiten Kammer des württembergischen Landtags an. Sein Bruder Julius Weizsäcker (1828-1889) war ein bekannter Historiker und ordentlicher Professor an den Universitäten Erlangen, Tübingen, Straßburg sowie an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. Er war außerdem ordentliches Mitglied der preußischen Akademie der Wissenschaften.

Die Erhebung in den Freiherrenstand

Carl Heinrichs Sohn Karl Hugo (1853-1926) gründete dann die Dynastie der Freiherren von Weizsäcker. Nach seinem Jura-Studium in Tübingen und anschließenden Ämtern als Richter trat er in das württembergische Justizministerium ein. 1897 wurde ihm der persönliche Adelstitel verliehen, es folgte eine steile politische Karriere, die mit dem Amt des Ministerpräsidenten im Königreich Württemberg ihren Höhepunkt fand. 1916 wurde Karl Hugo von Weizsäcker von König Wilhelm II. von Württemberg samt seiner Familie in den erblichen Freiherrenstand erhoben.

Über ihn schrieb der Publizist und Schriftsteller Ralph Giordano 1989 im "Wir": "Als Karl Hugo von Weizsäcker, hochgeehrt, im Februar 1926 stirbt, ist das politische Familienterrain abgesteckt: Demokratiefremdheit, ja -feindschaft, Befangenheit im obrigkeitsstaatlichen Denken monarchischer Prägung."