Offenbar wird Indien nun zum Nutznießer des Konflikts. Dort ist man offenbar bereit sich geschäftlich mit Russland zu involvieren und so auch die aktuelle Regierung in Moskau zu stützen. Russland ist bereits jetzt Indiens Hauptlieferant von Verteidigungsgütern. Nun wird erwartet, dass das Land vor allem bei anderen Produkten zuschlagen wird, die wegen der westlichen Sanktionen nicht mehr verkauft werden können. Im Vergleich zum handel mit China (100 Miliarden Dollar/Jahr) ist das Handelsvolumen Indiens mit Russland (9 Milliarden/Jahr) ziemlich gering. Unterdessen hat Indien von den Russen seit dem Beginn der Invasion bereits 13 Millionen Barrel Öl gekauft. Im gesamten Vorjahr hatte dieser Wert bei 16 Millionen Barrel gelegen. Und auch an anderen Produkten sind die Inder interessiert. So soll der Import von russischer Kokskohle für die Stahlherstellung verdoppelt werden und kürzlich wurde ein Vertrag über den Kauf von 45.000 Tonnen russischem Sonnenblumenöl in trockene Tücher. Damit werden dann also weiter dringend benötigte Devisen nach Russland fließen.
Allem Anschein nach hilft Indien den Russen dabei die westlichen Sanktionen zu umgehen. Wegen des Ausschlusses vieler russischer Banken aus dem Swift-Abrechnungssystem soll die indische Regierung in Neu-Delhi nun bereits an einem Rupien-Rubel-Handelssystem arbeiten. Die Einzelheiten dieses Systems werde bereits von indischen und russischen Finanzbeamten besprochen, wie ein vertrauliche Quelle mitteilt. Auf diese Weise könnte sich ein weiteres bevölkerungsreiches Land vom Handel in Euro und Dollar abkoppeln. Offiziell wollte sich die indische Regierung und auch die Reserve Bank of India (RBI) nicht zu diesem Thema äußern.