Offenbar sollen die Versteigerungen dann so ähnlich ablaufen, wie in den 1990er-Jahren das umstrittene "Darlehen-für-Anteile“-Programm unter dem russischen Präsidenten Boris Jelzin abgelaufen ist. Damals hatte vor allem reiche russische Geschäftsleute und auch behördennahe Banken Geld an die Regierung gezahlt und dann im Gegenzug für Anteile an den zahlreichen staatlichen Industrieunternehmen erhalten. So kamen die neuen Eigentümer quasi zu Spottpreisen an die Aktien dieser Firmen, wie die Zeitung "New York Times“ im Jahr 1996 berichtet hatte. Schon nach kurzer Zeit konnte der russische Staat die Verbindlichkeiten nicht mehr bezahlen, so dass die Vermögenswerte dann komplett in den Besitz der Anteilseigner überging. Als bestes Beispiel gilt dabei der Fall von Wladimir Potanin. Der reichste Mann Russland hat sein Vermögen durch das "Darlehen-für-Aktien“-System weitgehenen selbst aufgebaut indem er den Metallriesen Nornickel erwarb. Das Nettovermögen von Potatin soll aktuell 24,7 Milliarden US-Dollar betragen. Auch Milliardär Roman Abramowitsch (Nettovermögen 14,5 Milliarden Dollar) hatte von diesem Programm damals profitiert. Nun ist die russische Regierung erneut auf Geldmittel angewiesen, weil die westlichen Sanktionen den Devisenfluss nach Russland zum Erliegen gebracht hat. Es ist also nicht auszuschließen, dass sich nun die Geschichte aus den 90er-Jahren wiederholt.
Doch Experten halten auch noch ein anderes Szenario für möglich. Demnach könnten auch Investoren aus China ein Auge auf den russischen Markt geworfen haben und dort investieren wollen. "Die Auktion könnte Leute aus Ländern anziehen, die vor der Bedrohung westlicher Sanktionen relativ sicher sind“, erklärte Malik deshalb. Die würde neue Investitionen aus China, Indien oder Ländern im Nahen Osten bedeuten. Sollte die Chinesen zuschlagen, wird auch der asiatische Einfluss in Russland weiter wachsen. Man darf also durchaus gespannt sein, wie sich diese Situation entwickeln wird.