Und offenbar könnte es bald sogar noch dicker kommen, wenn sich Hodges These bewahrheiten sollte: "Die russische Eroberung könnte in den nächsten sieben, acht Tagen ihren Kulminationspunkt erreichen.“ Damit drohen den Russen nun in nur einer Woche riesige Schwierigkeiten, wenn Moral, Material und Anzahl der russischen Truppen weiter abnehmen und die Erschöpfung bei den Kämpfern zunimmt. Bei seiner These bezieht sich Hodges auf den preußischen Militärwissenschaftler Carl von Clausewitz (†1831), der über den "Kulminationspunkt“ in seinem Werk "Vom Kriege“ geschrieben hatte: "Jenseits dieses Punktes liegt der Umschwung, der Rückschlag; die Gewalt eines solchen Rückschlags ist gewöhnlich viel größer, als die Kraft des Stoßes war.“ Oder im Klartext: Sollte nicht noch etwas Entscheidendes passieren wird Russland mit seiner Invasion scheitern. Eine weitere Rolle könne auch spielen, dass den Russen laut Hodges bald schlichtweg die Munition ausginge. "Man hat nie genug Munition, denn im Krieg ist der Bedarf immer höher, als er im Frieden berechnet wird“, ist Hodges sicher.
Auch Prof. Joachim Krause vom Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel kennt den Grund, wieso die russische Offensive weitgehend zum Erliegen gekommen ist. "Die russische Offensive war zu Beginn erfolgreich, weil sie die ukrainischen Streitkräfte überraschte. Die starke Reaktion der Ukrainer verhinderte das weitere Vorrücken der russischen Streitkräfte. Die Lkw tragen die Hauptlast der Logistik, sie sind ein leichtes Ziel für ukrainische Angriffe“, gibt Krause seine Einschätzung ab. Weitere Raumgewinne für die russischen Truppen seien wegen des fehlenden Überraschungsmoments nun schwer möglich. Bleibt zu hoffen, dass diese Experten mit ihren Einschätzungen richtig liegen.