"Tatort"-Star Meret Becker: "Ich kann dem Tod nicht ausweichen"

Seite 2 / 2

"Tatort"-Star Meret Becker: "Ich kann dem Tod nicht ausweichen"

Stars (2 / 1) 28.12.2020 17:42 / Julia Symbolbild rbb/Marcus Glahn


Becker: Die Szene ist einfach so entstanden, ehrlich gesagt. Natürlich war eine Szene vorgeschrieben, die bestimmte Dinge voraussetzt. Aber wie sie sich letzten Endes entwickelt hat, war so nicht vorgegeben. Es war ein beglückendes Gefühl für alle Beteiligten. Mark, ich, Regisseur Florian Baxmeyer, und die Kamerafrau hatten plötzlich das Gefühl: "Oh, da geht was." Plötzlich gingen Türen auf und wir waren alle wahnsinnig konzentriert. Das war ein Moment, in dem man wahrgenommen hat, was unterschwellig brodelt, und das haben wir mit reingepackt.

Ein Mann liegt wochenlang in seiner Wohnung und niemand bemerkt es. Berührt Sie so etwas?

Becker: Ja, das sagt viel über die Gesellschaft aus. Darüber denkt man natürlich nach, wenn man in einer Wohnung dreht, die voller Fliegen ist und eine Figur auf dem Boden liegt, die aus Maden besteht. Und da stand im Flur ein gebrauchtes Paar Schuhe. Die haben ja mal jemandem gehört, im echten Leben. Plötzlich erhält das Ganze eine Realität und das berührt einen sehr. Auch das ist eingeflossen in die Szene, in der sich Karow und Rubin näherkommen. Das sind Momente, die einen umhauen. Ich denke oft darüber nach, ob ich wieder in Altersheimen oder Krankenhäusern Musik machen sollte - was ich als Teenie mal gemacht habe. Als eine alte Frau mich da nicht loslassen mochte und geweint hat, tat mir das unendlich leid. Diese Menschen haben es nicht verdient, einsam zu sterben.

Haben Sie gewusst, dass es in der DDR die Todesstrafe gab?

Becker: Nein, das wusste ich nicht. Ich war, wie meine Rolle, im ersten Moment sehr erstaunt darüber. Ich wusste, dass in der DDR viele Menschen zu Schaden gekommen sind - wie leider in so vielen anderen Regimen auch. Aber von der Todesstrafe wusste ich nichts, allerdings wirkt dieses Wissen nach: beispielsweise dass im "Tatort" erzählt wird, wie sie versucht haben, es nicht wie eine Todesstrafe aussehen zu lassen. Auch mit welcher Kälte sie mit den Menschen umgegangen sind. Das ist sehr beeindruckend.

Sie haben bekanntgegeben, dass Sie den "Tatort" verlassen. Fällt Ihnen der Abschied schwer?

Becker: Noch habe ich vier "Tatorte" vor mir - das ist also noch ein bisschen weit weg. Aber in der Szene, in der sich Karow und Rubin umarmen, ist der nahende Abschied schon mit eingeflossen. Die Gedanken an das Ende werden mehr werden. Mal sehen, wie der letzte Drehtag wird. Ich bin gespannt.

Wissen Sie schon, wie sich Nina Rubin aus dem "Tatort" verabschieden wird?

Becker: Ich habe einen Wunsch, wie sie sich verabschieden wird. Aber ob das so sein wird, wird sich zeigen...