Warum sind die Stars aus dem Osten so erfolgreich?

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Warum sind die Stars aus dem Osten so erfolgreich?

Stars (1 / 1) 28.12.2020 17:41 / Torben Symbolbild imago images/Mary Evans


Schauspieler aus der ehemaligen DDR

Corinna Harfouch (65) ist eine rätselhafte Frau. Das heißt: Sie gibt die rätselhafte Frau. Brillant. Es gelingt ihr mühelos, scheinbar widersprüchliche Eigenschaften zu vereinen: hart und zart, sanft und herrisch, klug und naiv, impulsiv und berechnend. Diese Fähigkeit macht sie gleichermaßen anziehend und überzeugend. Sie ist Schauspielerin, eine der besten und wichtigsten in Deutschland. Eine Erfolgsfrau aus dem Osten, aus der DDR.

Katrin Sass (63) ist ebenfalls eine der gefragtesten Schauspielerinnen des vereinten Deutschlands. Vor der Wende war sie eine berühmte Bühnenkünstlerin am Schauspielhaus Leipzig und 1987 in der DDR "Schauspielerin des Jahres." Dann begann ihre Phase der Alkoholsucht, die berühmte Wende am 9. November 1989 habe sie "im Suff" verpennt, bekannte Sass später im "Wir".

Längst hat sie mit Filmen wie "Good Bye, Lenin!", mit der mehrteiligen TV-Saga "Weissensee", als gefallene Staatsanwältin im "Usedom-Krimi" und schließlich als Neonazi-Mutter in der Netflix-Serie "Dogs of Berlin" in die Erfolgsspur zurückgefunden. Vor ein paar Wochen habe sie gefeiert, sagte sie dem "Wir". Nicht das Ende der DDR vor 30 Jahren, sondern "20 Jahre trocken zu sein."

Beide Frauen verkörpern ein Ost-West-Erfolgsmodell, das es in anderen Branchen so nicht gibt. Schauspieler aus dem Osten Deutschlands haben die Theater- und Film- und TV-Szene des vereinten Deutschlands weitgehend erobert. Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November lässt sich feststellen: Auf keinem anderen Gebiet sind Bürger aus Ostdeutschland so erfolgreich wie als Schauspieler.

"In der ersten Liga"

"Gibt es Branchen, in denen sich Ostdeutsche so sichtbar behaupten konnten, wie in der Kunst?", fragte der "Wir" - und antwortete: "Wenige sitzen in Vorstandsetagen, keine stehen einem obersten ostdeutschen Gericht vor, keine Hochschule wird von einem Ostdeutschen geleitet. Auf Theaterbühnen und im Fernsehen jedoch sind sie omnipräsent, und viele spielen in der ersten Liga ihres Gewerbes mit."

Einer von ihnen ist auch Sylvester Groth (61). Groth galt früh als Jungstar der DDR und spielte Hauptrollen in den Filmen "Der Aufenthalt" (1982/83) und "Der Schimmelreiter" (1984).

Nach der Wende spielte Groth an den besten Adressen: Münchner Residenztheater, Münchner Kammerspiele, Wiener Burgtheater, Berliner Ensemble und Salzburger Festspiele. 2009 hatte er in Quentin Tarantinos (56) "Inglourious Basterds" in der Rolle des Nazi-Führers Joseph Goebbels einen bemerkenswerten Auftritt. Die gleiche Figur hatte er 2007 in der Hitler-Parodie "Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler" des Schweizer Regisseurs Dani Levy (61) verkörpert.

Neben Harfouch, Sass und Groth haben sich unter anderem auch Michael Gwisdek, Claudia Michelsen, Henry Hübchen, Simone Thomalla, Götz Schubert, Horst Krause, Jörg Gudzuhn, Ulrike Krumbiegel, Peter Prager, Jörg Schüttauf, Gerit und Anja Kling, Uwe Kockisch, Dagmar Menzel, Peter Sodann, Florian Martens, Wolfgang Stumph, Hermann Beyer oder Rolf Hoppe und Jaecki Schwarz - um nur die bekanntesten zu nennen - nach 1989 in Gesamtdeutschland durchgesetzt.

Wenn man dann noch die Stars dazurechnet, die sich vor 1989 aus der DDR abgesetzt haben (Armin Müller-Stahl, Katharina Thalbach, Manfred Krug, Udo Schenk, Anna Loos, Thomas Thieme etc.) kommt man auf eine beeindruckende Liste.