Ja. Der Berliner "Tatort" schafft es, mehrere Geschichten parallel zu erzählen, ohne das große Ganze aus den Augen zu verlieren. Bis zum letzten Drittel des Films ist nicht klar, wie die einzelnen Handlungsstränge miteinander verwoben sind - was einen grandiosen Spannungsbogen erzeugt. Die temporeiche Erzählung wird dabei von gewohnt humorvollen Dialogen und hintergründigen Sätzen getragen: "Das ist doch lächerlich, das ist doch kein Tatort", protestiert die Vermieterin. Oh doch, und was für einer!
Nicht nur die Spannung macht "Das Leben nach dem Tod" zu einem gelungen ARD-Krimi, auch die aufgegriffenen gesellschaftsrelevanten Themen gehen unter die Haut. Psychische Erkrankungen, Rassismus am Arbeitsplatz und natürlich die große Frage der Menschheit: Gibt es ein Leben nach dem Tod? Auch die Todesstrafe in der DDR wird zum ersten Mal in der "Tatort"-Geschichte aufgegriffen. Drehbuchautorin Sarah Schnier nahm laut Sender das 30-jährige Jubiläum des Mauerfalls zum Anlass, um über das unbekannte Stück der DDR-Geschichte zu erzählen.
Auch die Einfälle des Kamera-Teams fesseln an den Bildschirm: Egal ob Vogelperspektive, Close-up oder die kühle Lichtgestaltung der Szenerie - alles unterstreicht perfekt die düstere Thematik.
Großartig ist zudem der emotionale Hauptkommissar, der in Einsamkeit versinkt und Trost bei Nina Rubin sucht. Neben dem melancholischen Ermittler und dem restlichen Hauptcast, glänzt vor allem ein Nebendarsteller: Christian Kuchenbuch, welcher Hajo Holzkamp verkörpert. Mit diesem von Anfällen geplagten Mann fühlt man von Sekunde eins an mit. Die Verzweiflung, die von ihm ausgeht, ist förmlich spürbar. Ein Top-Sonntagabendkrimi!