Nach der Gründung seiner Familie vollzog McConaughey auch auf schauspielerischer Ebene eine Metamorphose. Nach der Paraderolle des zwielichtigen Anwalts in "Der Mandant" (2011) und tiefgründigen Folgefilmen wie "The Paperboy" (2012) oder "Mud" (2012) sollte 2013 ein Projekt folgen, das seine weitere Karriere entscheidend verändern würde: Für den Part des homophoben Rodeo-Machos Ron Woodroof, der in den Achtzigern an Aids erkrankt und zum Aktivisten wird, hungerte sich Matthew McConaughey auf knapp 60 Kilogramm herunter.
Der einstige Schönling war anstatt des Surferbodies nur noch Haut und Knochen. Plötzlich zählten all die halbnackten Szenen in Badehose vor den Traumstränden der Welt nicht mehr, sondern einzig das Talent. An der Seite von Jared Leto verkörperte er seine Rolle in "Dallas Buyers Club" derart eindringlich, dass das Gremium der Academy Awards im Folgejahr gar keine andere Wahl hatte und ihn mit einem Oscar als bester Hauptdarsteller entlohnte. "Viele haben mir diese Rolle nicht zugetraut. Vielleicht bin ich deshalb auch so stolz auf diese Arbeit?", sagt er 2014 in einem Interview mit der "FAZ".
Geplanter Absprung zu Arthouse-ProduktionenDank "Dallas Buyers Club" löste er sich rabiat von dem Brandzeichen des "Easy Livin'"-Schauspielers, der nur sein Hemd auszuziehen braucht, um Millionen abzukassierten. Für den Wechsel zu anspruchsvollen Filmen legte McConaughey in Absprache mit seiner Frau übrigens extra Geld zur Seite, um den Lebensstandard seiner Familie zu sichern. Die Strategie machte sich bezahlt: Im selben Jahr sah man ihn im hochgelobten "The Wolf of Wall Street", es folgten die anspruchsvolle HBO-Krimiserie "True Detective", Christopher Nolans "Interstellar" oder der Drogenfilm "White Boy Rick".
Seit diesem Zeitpunkt hat der Texaner die lang ersehnten Zügel in der Hand und sich das Privileg erarbeitet, von großen Studios nicht mehr seines Körpers wegen für Rollen engagiert zu werden, sondern aufgrund seiner Darbietung. "Ich bewege mich schon so lange in Hollywood, dass ich weiß, wie das geschäftliche Spiel funktioniert. Es ist wie beim Flippern, du darfst nicht zur Kugel werden, sondern musst am Drücker sitzen, die Impulse geben", sagte er einst.
Heute initiiert er all seine filmischen Impulse - die auch irgendwann wieder in einer Badehose am Strand landen könnten. Doch den Akzent hat er sich bewahrt - und diesen einen Spruch, mit der er seine Filmkarriere begann und seine Oscar-Rede schloss: "Alright, alright, alright."