"Man beginnt erst heute, diese spätere, starke Folgewelle im Januar 1920 auch noch zur Spanischen Grippe zu zählen", erklärt der Historiker und Epidemiologe Kaspar Staub. Dieser leitet an der Universität Zürich eine Gruppe von Forschern die die Geschichten von gefährlichen Infektionskrankheiten analysieren. So hatte auch die Schweiz im Sommer 1919 die Spanische Grippe längst noch nicht überstanden. Aus diesem Grund waren auch damals noch weiter Einschränkungen und auch viele Versammlungsverbote beschlossen worden. Im Kanton Bern waren zum Beispiel Tanzveranstaltungen verboten.
Nun wollen die Forscher das Wissen von damals nutzen, um die gleichen Fehler bei Covid-19 zu vermeiden.
"Übergange nach Pandemien sind Prozesse, keine On-Off-Situationen", erklärt Staub.
Einen ähnlichen Standpunkt vertritt auch Historiker Séveric Yersin, der seine Promotion an der Universität Basel über die Spanische Grippe gemacht hatte. Es ist davon überzeugt, dass dieser Prozess Zeit in Anspruch nehmen wird. "Wir wissen nicht, ob wir in zwei Monaten erneut in deine Krisensituation geraten", erklärt Yersin. Aus diesem Grund sei es wichtig bereits aufgehobene Massnahmen zu einem späteren Zeitpunkt nochmals einführen zu können. Die Spanische Grippe hatte der Schweiz sogar ein Erbe hinterlassen, das nun bei der Corona-Pandemie erneut Anwendung gefunden hat. Und zwar das 1920 ausgeweitete Epidemiengesetz. Dieses Gesetz ermöglichte der Regierung der Schweiz Maßnahmen während der Corona-Pandemie einzuleiten. Zudem sei laut Staub auch die saisonale Grippe ein Erbe der Grippewelle von 1918. "Nach 1920 ist das Influenza-Virus in regelmässigen Abständen im Winter zurückgekehrt", gibt Staub zu bedenken, Mit dem Wissen aus dieser Pandemie sei man nun aber besser auf zukünftige Pandemie-Szenarien eingestellt.