Autor und Rechtsmediziner Michael Tsokos (52, "Zersetzt") hat mit seinen True-Crime-Thrillern "Zerschunden" und "Zerbrochen" zwei Vorlagen für Sat.1-Filme geliefert, die der Sender am 28. Oktober und 4. November 2019 (jeweils 20:15 Uhr) ausstrahlt. Im Interview mit spot on news verrät Tsokos, der in Berlin das Institut für Rechtsmedizin der Charité und das Landesinstitut für gerichtliche und soziale Medizin leitet, auf welche spezielle Fälle seine Fred-Abel-Reihe basiert. Zudem gibt er einen Einblick in seine vielschichtige Arbeit als Rechtsmediziner und erzählt, wie es zu seinem Dasein als Autor gekommen ist.
Das Buch "Zersetzt" aus Ihrer Fred-Abel-Reihe wurde bereits 2018 verfilmt. Wie war es für Sie, das erste Mal zu sehen, wie Rechtsmediziner Dr. Fred Abel zum Leben erweckt wurde?Michael Tsokos: Für einen Autor ist das ein großartiges Ereignis. Die kommenden beiden Thriller sind wie "Zersetzt" sehr nah am Buch gehalten und das ist umso schöner. Denn als Film- und Serienfan habe ich beim Schreiben meiner Bücher schon Bilder für einen Film im Kopf.
Tim Bergmann verkörpert Dr. Fred Abel. Er hat sich in Vorbereitung auf die Rolle mit Ihnen ausgetauscht. Wie haben Sie die Begegnungen erlebt?Tsokos: Tim Bergmann ist Vollprofi und hinterfragt die Dinge, genau wie Fred Abel. In meinen Augen ist er deshalb die Idealbesetzung für die Rolle. Er liest nicht nur das Drehbuch, sondern will die genauen Abläufe in der Realität kennenlernen. Er war sogar bei einer Obduktion hier im Institut dabei. Bei der Leichenöffnung stand er neben mir und hat jeden Schritt sehr interessiert verfolgt. Ich habe schon mit vielen Schauspielern zusammengearbeitet, aber es gibt wenige, die sich so nah an die Materie herantrauen wie er.
"Zerschunden" basiert auf der Geschichte des "Miles&More-Killers", der Zwischenstopps auf Flugreisen nutzte, um zu morden. Gehören solche Fälle zu Ihrem Alltag?Tsokos: Fälle von Serienmördern sind selten und dieser im Speziellen hat auch noch in ganz Europa seine Blutspur hinterlassen. Mein Alltag besteht darin, dass wir an den beiden Berliner Instituten 2.000 Obduktionen im Jahr durchführen. Da gibt es wenige Fälle, die so herausstechen wie der des "Miles&More-Killers" von 2006, ansonsten hätte ich jedes Jahr 2.000 Vorlagen für ein neues Buch.
"Zerbrochen" orientiert sich am Fall des Darkroom-Killers Dirk P., der 2013 wegen dreifachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Wie haben Sie diesen Fall als Rechtsmediziner erlebt?Tsokos: Es war das erste Mal, dass wir mit GHB, also Liquid Ecstasy, als Mordwaffe konfrontiert worden sind. Deshalb mussten wir unsere Laboruntersuchung entsprechend darauf einstellen, mittlerweile gehört sie bei Todesfällen zum Standardrepertoire unsere Untersuchungen. Es handelte sich wieder um einen Serienmörder und in diesem Fall hatten wir nicht nur die drei Opfer bei uns auf dem Tisch, sondern ich habe ein Jahr später auch Dirk P. obduziert, der sich im Gefängnis das Leben genommen hatte.
Sie übernehmen in einem der Filme auch eine kleine Rolle. Wie war die Zeit am Set für Sie?Tsokos: Ich habe einen SEK-Einsatzleiter bei einer Flughafenszene in Tegel gespielt. Es hat großen Spaß gemacht, diese ganz andere Arbeit kennenzulernen. Als Rechtsmediziner musst du zwei, drei Stunden am Obduktionstisch hochgradig konzentriert sein - Am Set wartest du lange und musst auf den Punkt für zwei Minuten funktionieren. Bei einem Set-Besuch im Sektionssaal war es toll zu sehen, wie die Requisiteure akribisch und minutiös meinen Arbeitsort nachgebaut haben. Die Kostümbildner haben sich sogar bei mir vorher informiert, welche Schürzen wir benutzen und haben sie nachgekauft.
Wie sieht Ihr normaler Arbeitsalltag aus?Tsokos: Sehr vielschichtig. Los geht der Tag mit einer Besprechung um 7.30 Uhr. Da werden die Untersuchungen der Fälle vom Vortag besprochen und ob im nächtlichen Bereitschaftsdienst Tötungsdelikte oder Tatorte hinzugekommen sind. Dann geht es in den Sektionssaal bis etwa 10 oder 11 Uhr, anschließend werden die Sektionsprotokolle diktiert. Der Rest des Tages ist Schreibtischarbeit, man liest zum Beispiel Akten, um schriftliche Gutachten zu erstellen. Als Professor an der Charité gebe ich zudem Vorlesungen für Medizin-Studenten, mache Schulungen für Polizei-Beamte oder bin als Sachverständiger bei Tötungsdelikten bei Gericht.
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