Kaiser Naruhito: Künstler, Menschenfreund - und völlig machtlos

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Kaiser Naruhito: Künstler, Menschenfreund - und völlig machtlos

Stars (1 / 1) 28.12.2020 17:29 / Angela Symbolbild imago images / Future Image / K. Nara


Der Neue auf Japans Thron

Es ist ein Bild wie aus einer fernen, völlig anderen Zeit. Ein kleiner, zierlicher Mann soll auf dem gewaltigen, sechseinhalb Meter hohen Takamikura-Thron Platz nehmen. Offenbar trägt er schwer an seiner kupferfarbenen Robe und der schwarzen Kopfbedeckung - an diesen uralten Symbolen der japanischen Monarchie. Aber Naruhito (59) ist nun mal der neue Kaiser von Japan und an seiner Inthronisierung im Palast von Tokio wohnen 2.000 Würdenträger bei. Unter ihn auch Prinz Charles (70) von England und der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (63).

Naruhito ist das Oberhaupt der ältesten Erbmonarchie der Welt

Naruhitos Gesicht drückt Ergebenheit aus, die Mundpartie deutet ein schüchternes Lächeln an. Es herrscht Stille, die nur von Trommel- und Gongschlägen unterbrochen wird. Dann ruft der japanische Regierungschef drei Mal "Banzai!" - Lang lebe der Kaiser. Und Naruhito, der mittlerweile auf den Thron sitzt, sagt förmlich: "Ich erkläre hiermit für die Heimat und das Ausland meine Inthronisierung. [...] Ich gelobe, dass ich stets für das Glück des japanischen Volkes und den Weltfrieden beten werde." Damit wolle er seine "Pflicht als Symbol Japans erfüllen".

Er ist damit das Oberhaupt der ältesten Erbmonarchie der Welt. Der erste Tenno (jap. Kaiser) war Jimmu, der nach der Überlieferung des Shintoismus göttlichen Ursprungs war. Er wurde im Jahr 660 v. Chr. Herrscher und war, der Legende nach, ein Urenkel von Ningi, einem Enkel der Sonnengöttin Amaterasu, die Ningi auf die Erde geschickt hatte, um dort Reis zu pflanzen und zu regieren. Alle japanischen Herrscher führen ihren Ursprung auf Amaterasu zurück. Sie ist die personifizierte Sonne und Göttin des Lichts und gilt als Ahnherrin des Geschlechts, dem auch Naruhito entstammt. Er ist in der langen Reihe seiner Ahnen der 126. Tenno.

Der Kaiser hat keinerlei Macht

Sein Großvater Hirohito (1901-1989) wurde noch als Gott verehrt. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg und der japanischen Kapitulation wollte die amerikanische Besatzungsmacht keinen gottgleichen Herrscher mehr. 1945 verkündeten sie die Richtlinien der neuen Verfassung: "Der Kaiser soll das Symbol des Staats und der Einheit des Volks sein. Seine Stellung ist abhängig vom Willen des Volks, welches die souveräne Macht besitzt." Daran hält sich Hirohito, danach sein Sohn Akihito (85) und nun dessen Sohn Nurahito.

Der Tenno hat die Pflicht für sein Volk zu beten - schließlich ist er der höchste Priester der japanischen Staatsreligion Shinto. Er muss Staatsgäste empfangen und andere Länder im Namen Japans besuchen. Er darf Amtspersonen wie den japanischen Premierminister ernennen und muss das Reisfeld des Kaiserpalastes nach uralten Riten bestellen. Er ist eine von der Öffentlichkeit akzeptierte Symbolfigur. Doch machtvolle Autorität innerhalb des Staatsapparates hat er nicht.

"Die Bezeichnung Kaiser wirkt machtvoll", schreibt die "Süddeutsche Zeitung", "aber in Wahrheit hat er keine Macht. Dem japanischen Kaiser fehlen sogar grundlegende Rechte, die man etwa nach der europäischen Verfassung niemandem verwehren dürfte. Er darf seine Meinung nicht sagen, nicht demonstrieren, nicht arbeiten, wie er will, nach konservativer Auslegung der Verfassung darf er nicht einmal wählen. Eigentlich hat er nur Pflichten." Der Kaiser sei "ein Japaner im Dienst, fleißig und opferbereit". Das sind die Vorgaben von Tenno Naruhito und an die wird er sich halten (müssen).

Naruhito gilt als aufgeschlossen und sanftmütig