Oliver Kalkofe und Peter Rütten über das SchleFaZ-Phänomen

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Oliver Kalkofe und Peter Rütten über das SchleFaZ-Phänomen

Stars (2 / 1) 28.12.2020 17:22 / Simo Symbolbild TELE 5/Harald Fuhr


Rütten: Ein gutes Beispiel ist "Daniel, der Zauberer" mit dem leider verstorbenen Daniel Küblböck. Da hat Ulli Lommel, eigentlich aus der Fassbinder-Schule, ein mystisches Produkt um eine Trash-Fernsehgestalt geschaffen, das nur so von Missverständnissen strotzt. Bei diesem Film ist eigentlich alles gescheitert, was man sich so vorstellen kann. Aber man hat dennoch Spaß an diesem Film.

Kalkofe: Die Filme, die wir zeigen, haben meistens immer noch eine Ebene, die man gern haben kann. Es gibt so viele, die noch viel, viel schlechter sind. In Wirklichkeit gibt es bei uns eigentlich nur die zweitschlechtesten Filme aller Zeiten zu sehen.

Vor zwei Wochen stieg das große SchleFaZ-Jubiläumsfestival mit Tausenden Fans in Berlin. War diese Live-Nummer für euch etwas Besonderes?

Kalkofe: Absolut, auf der Bühne haben wir das zuvor noch nie gemacht. Ich war unglaublich nervös, weil wir ja eigentlich keine Live-Event-Künstler sind.

Rütten: Ich dachte wirklich vorher, dass ich es ausfallen lassen müsste vor lauter Lampenfieber.

Wie ist es dann gelaufen?

Kalkofe: Ich kann mit Fug und Recht behaupten: Das war einer der absolut großartigsten Abende meines Lebens! Als wir auf die Bühne gingen und 2.500 Menschen aufstanden und uns mit derart viel Freude und Liebe begrüßten, sind mir wirklich fast die Tränen gekommen, da war ich sprachlos. Ich hätte mir niemals träumen lassen, dass wir mit dieser kleinen Sendung Menschen so begeistern können - und sie wiederum uns. Das ist unfassbar schön und fantastisch.

Rütten: Um mal ein Superlativ zu vermeiden - es war episch! Das ganze Festival war ein ständiger Austausch von Liebesenergie zwischen den SchleFaZ-Allstars und dem Publikum. Die Nervosität im Vorfeld hätten Olli und ich uns also sparen können, aber wie man natürlich weiß, gibt's ohne Anspannung auch keine Entspannung, sprich Belohnung. Und die haben wir wirklich genossen.

Inwiefern sind Sie beide als Gesichter dieser Reihe wichtig für den Erfolg?

Rütten: Es ist schon relativ selten, dass man so zusammenpasst. Wir beide spielen uns die Bälle zu und arbeiten ohne Redaktion. Wir sprechen da absolut dieselbe Sprache.

Kalkofe: Im Moment wüsste ich ehrlicherweise niemanden, der das so machen könnte, wie wir beide. Es gibt die Kollegen sicherlich, aber ich kenne sie nicht. Ich glaube, dass das Konzept als Comedy-Format mit Mario Barth oder Chris Tall und lustigen Gagschreibern im Hintergrund nicht funktionieren würde. Wir beide haben uns aufgrund einer Schicksalsfügung gesucht und gefunden. Das passt einfach. Es braucht uns beide.

Herr Rütten, Sie haben viele Jahre hauptsächlich hinter der Kamera als Autor von großen Comedy-Formaten wie zum Beispiel die "Harald Schmidt Show" gearbeitet. Was liegt Ihnen mehr: Vor oder hinter der Kamera?

Rütten: Es ist relativ gleichgewichtet, obwohl ich schon von der Anlage her eigentlich eher vor der Kamera zu Hause bin. Das steht sich aber Aug' in Aug' gegenüber: an satirischen Texten tüfteln, als auch nicht nachdenken müssen und seinen Satz vor der Kamera aufsagen. Ich mache einfach beides super gerne.

Herr Kalkofe, auch in der "Mattscheibe" kümmern sie sich um qualitative Ausreißer, hier allerdings im TV-Bereich. Warum liegen ihnen schlechte Produktionen so am Herzen?

Kalkofe: Ich weiß es nicht, aber es zieht sich irgendwie durch mein Leben. Es hat etwas Therapeutisches, eine Trauma-Aufarbeitung. Ich fühle mich da wie ein Gärtner, der den Dung nimmt und daraus blühende Landschaften erschaffen lässt. Ich liebe Film und Fernsehen einfach.