Die Inzidenz sinkt, die Neuinfektionen sind niedrig in Deutschland, währenddessen melden Länder wie Frankreich über 200.000 Neuinfektionen - an einem Tag! Jetzt schlägt Gesundheitsminister Lauterbach Alarm - haben wir in Deutschland längst über 100.000 Infizierte täglich?
In Deutschland stecken sich derzeit nach Einschätzung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sehr viel mehr Menschen mit dem Coronavirus an als offiziell vermeldet. Die tatsächliche Sieben-Tage-Inzidenz der Infektionen übersteige den aktuell angegebenen Wert von 205,5 wahrscheinlich um das Zwei- bis Dreifache, sagte Lauterbach am Mittwoch in Berlin. Wegen der Feiertage gebe es momentan eine "deutliche Untererfassung" der Ansteckungsfälle. Lauterbach äußerte die Erwartung, dass die Corona-Maßnahmen bald verschärft werden müssten.
Der Minister warnte die Bürgerinnen und Bürger davor, sich wegen der sinkenden Corona-Ansteckungsstatistik in Sicherheit zu wiegen. "Die gegenwärtig ausgewiesene Inzidenz unterschätzt die Gefahr, in der wir uns befinden", sagte er. Wegen der raschen Ausbreitung der hoch ansteckenden Omikron-Variante müsse mit eine weiteren "deutlichen Steigerung" der Ansteckungszahlen gerechnet werden.
Das Robert-Koch-Institut hatte die Sieben-Tage-Inzidenz am Morgen mit 205,5 angegeben. Sie sank damit leicht gegenüber dem Vortag. Der bisherigen Höchstwert war am 29. November mit 452,4 verzeichnet worden. Sollte Lauterbachs Analyse zur Untererfassung zutreffen, läge allerdings womöglich jetzt schon ein neuer Rekordwert vor.
Lauterbach nannte eine Reihe von Gründen, weswegen von einer erheblichen Untererfassung ausgegangen werden müsse. So werde wegen der Feiertage derzeit weniger getestet, und von den tatsächlich vorliegenden Testergebnissen würden weniger an die Gesundheitsämter weitergeleitet, sagte Lauterbach. Die Ämter hätten zudem mit Personalmangel zu kämpfen, was sich während der Feiertage "besonders deutlich" bemerkbar mache.